Eine Frage bewegt Skatspieler immer wieder → Ist Skat ein Glücksspiel?
Besonders oft wird diese Frage gestellt, wenn
man schon lange kein gutes Blatt mehr bekommen hat, während die Mitspieler eine “Oma” nach der anderen spielen.
Aber auch für die Veranstalter von Preisskats und Skatturnieren ist dies eine wichtige Frage, wenn bei der Vorbereitung und Durchführung von Skatturnieren von Schwierigkeiten mit den Behörden berichtet wird. In diesem Zusammenhang stellt sich immer wieder die Frage, ob Skat ein Glücksspiel ist und ob man es um Geld spielen darf?
Diese Frage ist Thema des Blogbeitrages und soll ausführlich geklärt werden.
Skat – Glücks- oder Geschicklichkeitsspiel?
Rechtliche Einordnung von Skat
Entscheidend für die Einordnung von Spielen zu den Geschicklichkeits- oder Glücksspielen ist der vom Bund geschaffene Glücksspielvertrag. Aktuell ist dieser wieder sehr umstritten bezüglich der Monopolfreiheit von Sportwetten. In § 3 Abs. 1 des Glücksspielvertrages sowie der dazu beschlossenen Rechtsprechung und dem im Strafgesetzbuch verwendeten Glücksspielbegriff wird gesetzlich definiert, ob ein bestimmtes Spiel, wie Skat, zu den Glücksspielen gehört oder nicht. Das Glücksspiel ist demnach in § 3 Abs. 1 GlüStV folgendermaßen definiert:
,,Ein Glücksspiel liegt vor, wenn im Rahmen eines Spiels für den Erwerb einer Gewinnchance ein Entgelt verlangt wird und die Entscheidung über den Gewinn ganz oder überwiegend vom Zufall abhängt. Die Entscheidung über den Gewinn hängt in jedem Fall vom Zufall ab, wenn dafür der ungewisse Eintritt oder Ausgang zukünftiger Ereignisse maßgeblich ist.”
Ein Glücksspiel ist nach dieser Definition durch mehrere Merkmale gekennzeichnet:
- Es muss sich um ein Spiel handeln,
- die Spieler müssen einen Spieleinsatz für den Erwerb einer Gewinnchance geleistet haben und
- die Entscheidung über Gewinn und Verlust muss ganz überwiegend vom Zufall abhängen.
Im Gegensatz dazu hängt die Entscheidung über Gewinn und Verlust bei einem Geschicklichkeitsspiel nicht vom Zufall ab, sondern die Entscheidung wird durch körperliche oder geistige Fähigkeiten der Spieler, den Grad ihrer Aufmerksamkeit, ihre Geschicklichkeit und Anstrengungen wesentlich beeinflusst. Für die Einordnung eines Spiels als Geschicklichkeitsspiel ist wesentlich, dass an die Fertigkeiten des Spielers erfüllbare Anforderungen gestellt werden. Sofern dieses nicht erreicht werden kann, steht es dem Zufall gleich. Eine scharfe Abgrenzung zwischen den beiden Spielarten kann nicht vorgenommen werden, maßgebend sind die Umstände des Einzelfalls, insbesondere die Ausgestaltung des Spiels.
Für Skat ist es seit langem anerkannt, dass es den Geschicklichkeitsspielen zuzuordnen ist. Dafür kann als Quelle der Kommentar zum Glücksspielrecht von Prof. Dietlein und den Rechtanwälten Dr. Hecker und Dr. Ruttig sowie das dort zitierte Urteil des Bundesfinanzhofs, veröffentlicht im Bundessteuerblatt von 1951, S. 128, genannt werden. Diese Einordnung findet sich auch im Leipziger Kommentar zum Strafgesetzbuch, § 284 Randnummer 9.
Die Entscheidung über Gewinn oder Verlust wird zwar auch durch das “Kartenglück” beeinflusst, entscheidend beeinflusst wird der Spielverlauf aber durch die Geschicklichkeit, Aufmerksamkeit und die körperlichen und geistigen Fähigkeiten der Spieler. An dieser Einordnung ändert sich auch nichts, wenn Skat als Preisskat gespielt wird.
Vergleich zum Poker
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m Gegensatz zu Skat wird Poker von der Rechtsprechung überwiegend als Glücksspiel eingestuft. Dies beruht auf einem reichsgerichtlichen Urteil aus dem Jahr 1906. Das Reichsgericht hatte für die Variante „Draw Poker“ die Zuordnung zum Glücksspiel getroffen. Da der Bundesgerichtshof bisher noch nicht höchstrichterlich über die Einordnung von Poker zu entscheiden hatte, gilt dieses Urteil weiterhin. Mittlerweile kommen demgegenüber zahlreiche wissenschaftliche Studien zu dem Ergebnis, dass z. B. Texas Hold’em Poker ein Geschicklichkeitsspiel ist. Umso erstaunlicher ist es, dass ein Großteil der Literatur und Rechtsprechung weiterhin der über 100 Jahre alten Entscheidung des Reichsgerichts unreflektiert folgt. Es bleibt daher weiterhin hoch umstritten, ob Poker nun den Glücksspielen zugeordnet werden kann. Doch nicht nur Poker wird als Glücksspiel angesehen. Auch Sportwetten online tippen gilt als ein Glücksspiel.
Fazit
Skat wird vom Gesetzgeber als Geschicklichkeitsspiel und nicht als Glücksspiel eingestuft. Dies ist insbesondere darauf zu begründen, dass der Ausgang eines Skatspiels nur zu einem geringen Maße durch den Faktor Glück beeinflusst wird. Vielmehr spielen die Faktoren logisches Denkvermögen, Kombinatorik, Merkfähigkeit und Gegnereinschätzung eine große Rolle im Ausgang eines Skatspiels. Natürlich besitzt auch Skat einen gewissen Glücksanteil, der allein durch die Zufälligkeit beim Mischen und Geben der Karten entsteht. Einen Grand Ouvert zu bekommen und diesen zu gewinnen ist sicherlich dem “Kartenglück” zuzuschreiben. Auf lange Sicht jedoch verringert sich dieser Glücksfaktor sehr und besitzt nur noch eine deutlich untergeordnete, fast unerhebliche Auswirkung auf den Ausgang von Skatspielen und Preisskats. Dies beweisen auch die groß ausgerichteten Skatturniere von DSKV und ISPA.
Quelle: Dr. Friedhelm Repnik / DSKV.de